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31.05.2022

NRW-Konjunkturbericht des RWI – Leibniz-Instituts vorgelegt

Minister Pinkwart: Wirtschaft wächst trotz Krieg und Lieferengpässen und schafft in 2022 weitere 140.000 zusätzliche Arbeitsplätze

Die Konjunktur in Nordrhein-Westfalen kann trotz erheblicher Herausforderungen Tritt fassen. Laut aktueller Prognose des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung wächst die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen 2022 mit 2,0 und 2023 mit 2,5 Prozent ebenso schnell wie im Bund.

Zudem rechnet das RWI 2022 mit 140.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine fällt die konjunkturelle Erholung schwächer aus als zu Beginn des Jahres angenommen. Die Material- und Rohstoffknappheit hat sich weiter verschärft. Die hohe Inflationsrate verringert die Kaufkraft der Verbraucher und die Investitionsspielräume der Unternehmen. Der Wegfall der Infektionsschutzmaßnahmen und das Abebben der Omikron-Welle beleben aber zunehmend die Konsumnachfrage, so dass die Wirtschaft auf Wachstumskurs bleibt.

Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: „Ein Wachstum um zwei Prozent ist in diesem schwierigen Umfeld eine gute Nachricht. Die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen hält inzwischen wieder mit dem Bundestrend mit: Lagen wir von 2011 bis 2016 nur auf Platz 15 von 16 Ländern, belegen wir nun einen guten Mittelfeldplatz und die Wachstumslücke schließt sich. Erfreulich entwickelt sich auch der Arbeitsmarkt: Seit 2017 sind mehr als eine halbe Million neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden. Der Zuwachs liegt seitdem mit 8,5 Prozent höher als im Bund mit 7,8 Prozent. Die wachsende Attraktivität des Investitionsstandorts zeigt sich auch in einem neuen Höchststand bei ausländischen Investitionen und Neuansiedlungen. Die Anzahl neuer Projekte zum Auf- und Ausbau von Kapazitäten wächst schneller als in Deutschland und weltweit.

Doch es gibt weiter viel zu tun: Um Investoren zu begeistern und mehr Tempo bei der Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu machen, müssen wir die Planungs- und Genehmigungsverfahren weiter vereinfachen. Hierzu benötigen wir dringend den von der Bundesregierung angekündigten Pakt für Planungs-, Genehmigungs- und Umsetzungsbeschleunigung mit den Ländern. Da geschieht bisher zu wenig.“

Ralf Stoffels, Präsident der IHK NRW: „Der Krieg gegen die Ukraine, seine Folgen für die Weltwirtschaft und insbesondere für die Energiemärkte treffen die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen hart. Zwar ist die Auftragslage in vielen Unternehmen noch gut. Lieferengpässe, Preisanstiege und Fachkräftemangel erschweren aber zunehmend deren Abarbeitung. Das zentrale Konjunkturrisiko sind aber die gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten, insbesondere für die Industrie. Viele Unternehmen erwarten daher eine Verschärfung der Krise mit Folgen für die Konjunktur in Nordrhein-Westfalen.“

Prof. Dr. Torsten Schmidt, Konjunkturexperte des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung: „Die wirtschaftliche Erholung in den kommenden Sommermonaten dürfte deutlich schwächer ausfallen als noch zu Beginn des Jahres erwartet. Insbesondere der Preisauftrieb hat durch den Krieg in der Ukraine einen neuen Schub bekommen und dürfte den privaten Konsum belasten. Auch die Lieferengpässe halten sich, nicht zuletzt durch den scharfen Lockdown in China, hartnäckiger als zunächst erwartet.“

Das RWI – Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlicht im Auftrag des Wirtschafts- und Digitalministeriums jährlich drei Konjunkturberichte. IHK NRW stellt dazu die aktuellen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfragen und Sonderumfragen für Nordrhein-Westfalen zur Verfügung.